Polarweide, Salix Arctica
Salix Arctica (arctic willow)
Birgit Lutz

Birgit Lutz

In ihrer Polarkolumne, die ab 2021 immer freitags auf unserer Homepage neu erscheint, schreibt die Expeditionsleiterin und Autorin Birgit Lutz über alle Themenfelder der Polarregionen - von großen Erlebnissen und kleinen Momenten auf eigenen Reisen über aktuelle Entwicklungen in Arktis und Antarktis bis hin zu praktischen Informationen für Ihre Reisevorbereitung oder Empfehlungen zur Polarliteratur.

Notizen aus dem Eis 68 – Der Baum der Arktis – die Polarweide

Wer einen schattenspendenden Baum sucht, wird auch in der Tundra Spitzbergens fündig. Nur das Drunterlegen erfordert Polaryoga.

Bäume in der Arktis? Gibt es doch gar nicht. Das sagen manche Gäste auf den Schiffen, wenn sie ihre Augen über die Küste gleiten lassen. Damit haben sie recht und auch wieder nicht. Tatsächlich wird manchmal auch die Baumgrenze herangezogen, wenn es um die Definition der Arktis geht. Wo also keine mehr wachsen, ist Arktis, wo welche wachsen, Subarktis. Gebräuchlicher ist allerdings der 10-Grad-Juli-Isotherm, also diejenige Grenze, an der die Durchschnittstemperaturen im Juli die zehn Grad nicht mehr überschreiten. Das mögen Bäume auch nicht so.

Warum aber gibt es dann trotzdem Bäume in der Arktis und auch wieder nicht? Sagen wir es so: Es gibt Bäume. Sie sehen aber ein bisschen anders aus als man das generell von Bäumen erwartet. Hunde beispielsweise hätten ihre liebe Mühe, wenn sie an den polaren Bäumen ihre Füßchen heben wollten. Auch das mit dem Schatten spenden ist so eine Sache.

Warum?
Nun, die Polarweide (Salix polaris) wird wenige Zentimeter hoch, ihr Stamm ist so dick wie, naja, Spaghetti vielleicht, und sie sieht grundsätzlich eher aus wie ein bodendeckender Strauch. Die Polarweide ist in Spitzbergen sehr häufig zu finden, sie breitet sich an vielen Stellen der Tundra aus und wächst dort zu richtigen Wäldern heran. Schatten spenden diese Wälder aber nur dem darunter liegenden Boden, wollte man sich selbst unter eine Polarweide legen, erforderte das einiges an polarem Yoga. Daher gibt es auch den Witz: Was muss man tun, wenn man sich in Spitzbergen im Wald verlaufen hat? Aufstehen. Haha.

Wie sieht die Polarweide aus?
Sie hat kleine, ovale Blätter, die man kaum verwechseln kann. Sie wächst sehr, sehr langsam: nur wenige Millimeter im Jahr. Wieder einmal sind die Sträucher, äh Bäume, auf die man in der Arktis so trifft, also schon Jahrzehnte am angestrengten Wachsen in dem rauen Klima – umso mehr Schaden richtet man an, wenn man diese Gebilde zertritt. Auf den späten Spitzbergentouren bezaubert die Polarweide, indem sie ihre Blätter herbstlich färbt, gelbrot leuchtet es dann aus der Tundra.

Wo wächst die Polarweide?
In der Arktis, natürlich, also in den nördlichen Gebieten Kanadas, und Russlands, in Grönland und Nordnorwegen sowie Spitzbergen. Die südlichsten Polarweiden werden so um 60° nördlicher Breite beobachtet, dort sind sie aber deutlich größer als in Spitzbergen.

Ein tapferes Bäumchen also, die Polarweide!

Bis in zwei Wochen!

Eure
Birgit Lutz

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Warum aber gibt es dann trotzdem Bäume in der Arktis und auch wieder nicht? Sagen wir es so: Es gibt Bäume. Sie sehen aber ein bisschen anders aus als man das generell von Bäumen erwartet. Hunde beispielsweise hätten ihre liebe Mühe, wenn sie an den polaren Bäumen ihre Füßchen heben wollten. Auch das mit dem Schatten spenden ist so eine Sache.

Warum?
Nun, die Polarweide (Salix polaris) wird wenige Zentimeter hoch, ihr Stamm ist so dick wie, naja, Spaghetti vielleicht, und sie sieht grundsätzlich eher aus wie ein bodendeckender Strauch. Die Polarweide ist in Spitzbergen sehr häufig zu finden, sie breitet sich an vielen Stellen der Tundra aus und wächst dort zu richtigen Wäldern heran. Schatten spenden diese Wälder aber nur dem darunter liegenden Boden, wollte man sich selbst unter eine Polarweide legen, erforderte das einiges an polarem Yoga. Daher gibt es auch den Witz: Was muss man tun, wenn man sich in Spitzbergen im Wald verlaufen hat? Aufstehen. Haha.

Wie sieht die Polarweide aus?
Sie hat kleine, ovale Blätter, die man kaum verwechseln kann. Sie wächst sehr, sehr langsam: nur wenige Millimeter im Jahr. Wieder einmal sind die Sträucher, äh Bäume, auf die man in der Arktis so trifft, also schon Jahrzehnte am angestrengten Wachsen in dem rauen Klima – umso mehr Schaden richtet man an, wenn man diese Gebilde zertritt. Auf den späten Spitzbergentouren bezaubert die Polarweide, indem sie ihre Blätter herbstlich färbt, gelbrot leuchtet es dann aus der Tundra.

Wo wächst die Polarweide?
In der Arktis, natürlich, also in den nördlichen Gebieten Kanadas, und Russlands, in Grönland und Nordnorwegen sowie Spitzbergen. Die südlichsten Polarweiden werden so um 60° nördlicher Breite beobachtet, dort sind sie aber deutlich größer als in Spitzbergen.

Ein tapferes Bäumchen also, die Polarweide!

Bis in zwei Wochen!

Eure
Birgit Lutz