Birgit Lutz

Birgit Lutz

In ihrer Polarkolumne, die ab 2021 immer freitags auf unserer Homepage neu erscheint, schreibt die Expeditionsleiterin und Autorin Birgit Lutz über alle Themenfelder der Polarregionen - von großen Erlebnissen und kleinen Momenten auf eigenen Reisen über aktuelle Entwicklungen in Arktis und Antarktis bis hin zu praktischen Informationen für Ihre Reisevorbereitung oder Empfehlungen zur Polarliteratur.

Notizen aus dem Eis 51 – Weihnachten im Eis

Nun ist es also so weit – es ist Weihnachten. Während wir allüberall schon seit Wochen von Weihnachtsmusik und Glitzerschmuck umgeben sind, gibt es auch vollkommen andere Weisen, Weihnachten zu verleben.

Viele historische Expeditionen waren jahrelang im Eis unterwegs. Man denkt dabei viel an all die Entbehrungen, die die Männer auf sich nehmen mussten. Selten aber auch daran, dass all die Feiertage und Festivitäten natürlich auch in der Ferne gefeiert wurden. Ein wunderbares Beispiel dafür ist die Expedition Fridtjof Nansens von 1893 bis 1896 – weil es hier wegen der langen Dauer gleich drei Weihnachtsfeste gab, und diese auf sehr unterschiedliche Weise gefeiert wurden.

Nansen wollte beweisen, dass es eine transpolare Drift gibt, von Russland Richtung Grönland und Kanada – und wollte sich mit dem Schiff im Osten einfrieren lassen und dann gemütlich bis zum Nordpol driften, im Eis. Dafür hatte er extra ein Schiff gebaut, die Fram. Die Fram fror am 22. September 1893 im Eis ein und begann ihre Drift.

Und in diesem gemütlichen Schiff feierten die Forscher also das erste Weihnachtsfest – und hatten dafür ja schon lange vorher einkaufen müssen!

So beschreibt Nansen das erste Weihnachten an Bord, 1893:

Sonntag, 24. Dezember. Weihnachtsabend. 37 Grad Kälte.
Glitzernder Mondschein und die unendliche Stille der arktischen Nacht. Ich machte einen Spaziergang auf dem Eis. Der erste Weihnachtsabend, wie weit von der Heimat!
Es herrschte eine eigentümlich gehobene Stimmung an Bord, wie sonst bei uns durchaus nicht üblich. Jeder beschäftigte sich in seinen geheimsten Gedanken mit der Heimat, allein die Kameraden sollten das nicht merken und infolgedessen wurde mehr gescherzt und gelacht als sonst. Alle Lampen und Lichter, die wir an Bord hatten, brannten, und jede Ecke im Salon und in den Kabinen wurde glänzend erleuchtet.
Die Verpflegung an diesem Fest übertraf natürlich die aller früheren Tage, denn Essen war das Einzige, womit wir Feste feiern konnten. Nach dem Abendessen kamen ganze Berge von Weihnachtskuchen, die Juell während mehrerer Wochen fleißig gebacken hatte, auf den Tisch. Den Höhepunkt erreichte die Feier, als zwei Kisten mit Weihnachtsgeschenken herbeigebracht wurden, die eine von Scott-Hansens Mutter, die andere von seiner Braut. Rührend die Freude, mit der jeder seine Gabe empfing., mochte es nun eine Pfeife, ein Messer, oder sonst eine Kleinigkeit sein, man fühlte, dass es gleichsam eine Botschaft aus der Heimat war.
Montag, 25. Dezember. Zu Hause werden sie jetzt viel an uns denken und uns wegen der Entbehrungen, die wir in dieser kalten, trostlosen Eisregion zu ertragen haben, viele Seufzer widmen. Ich fürchte aber, ihr Mitgefühl würde sich abkühlen, wenn sie uns sehen, unsere Fröhlichkeit hören und Zeuge unserer Behaglichkeit und unseres guten Mutes sein könnten. Ihnen kann es zu Hause kaum besser gehen. Was mich selbst betrifft, so habe ich noch niemals ein so sybaritisches Leben geführt und niemals so viel Grund gehabt, die Folgen zu fürchten, die es mit sich bringt. Man höre nur die Speisenfolge unseres heutigen Mittagessens:
1. Ochsenschwanzsuppe
2. Fischpudding mit Kartoffeln und geschmolzener Butter
3. Rentierbraten mit Erbsen, französischen Bohnen, Kartoffeln und eingemachten Kronsbeeren
4. Moltebeeren mit Sahne
5. Kuchen und Marzipan
Und zu alldem Bockbier! Ist das nun die richtige Art zu essen für Leute, die sich gegen die Schrecken der Polarnacht abhärten sollen? Wir hatten alle so viel gegessen, dass das Abendessen ausfallen musste.
Zählt man zu den guten Dingen noch unser fest gebautes, sicheres Wohnhaus hinzu, unseren behaglichen Salon, den eine große und mehrere kleine Petroleumlampen erleuchten, wenn wir gerade kein elektrisches Licht haben, ferner die beständige Fröhlichkeit, das Kartenspiel und die große Menge von Büchern mit und ohne Bilder, die unterhaltsame Lektüre boten, und endlich einen tüchtigen, gesunden Schlaf – was konnte man sich Besseres wünschen?“

Da hatte der Koch also richtig gut eingekauft und sehr gut geplant, lang vor der Expedition!

Das ganze Jahr 1894 driftete Nansen dann weiter, ohne den Nordpol zu erreichen.
Deswegen beschloss er, im nächsten Frühjahr die Fram zu verlassen und auf Skiern zum Nordpol zu gehen. Und so kam also noch ein zweites Weihnachten auf der Fram, das recht ähnlich dem ersten verlief. Nansen und Johansen verließen dann im März 1894 die Fram und machten sich alleine auf zum Nordpol. Sie kamen zwar so weit wie nie jemand vor ihnen nach Norden, mussten aber doch umdrehen, knapp nördlich des 86. Breitengrads. Sie kämpften sich nach Franz Joseph Land, die Inseln, die erst zwanzig Jahre vorher entdeckt worden waren und überwinterten schließlich in einer Erdhütte am Kap Norwegen der Jackson Insel.

Erdhütte ist allerdings ein großes Wort – ich habe diesen Ort besuchen können, ein abgedecktes Erdloch beschreibt es deutlich besser.

Und in dieser Erdhütte also haben die beiden Männer dann ein drittes Mal Weihnachten fern von zuhause gefeiert.

„Sonntag, 22. Dezember. Ging gestern Abend lange Zeit draußen spazieren., während Johansen als Vorbereitung zum Christfest die Hütte gründlich sauber machte. Das bestand hauptsächlich darin, dass er die Asche aus dem Herd kratzte, die Knochen und Fleischabfälle sammelte und fortwarf und dann das Eis aufbrach, das mit allerlei Kehricht auf dem Boden zusammengefroren war, so dick, dass die Hütte niedriger geworden war.
Dienstag, 24. Dezember. 2 Uhr nachmittags -24°C.
Heute ist also Weihnachtsabend. Kalt und windig ist es draußen, kalt und zugig hier drinnen. Wie einsam es ist! Noch niemals haben wir einen solchen Weihnachtsabend gehabt.
Nun läuten zu Hause die Glocken fas Christfest ein. Jetzt werden die Lichter am Weihnachtsbaum angezündet, die Kinderschar wird hereingelassen und in Freude und Jubel tanzen sie um den Baum herum. Wenn ich wieder nach Hause komme, muss ich ein Weihnachtsfest für Kinder veranstalten. Es ist die Zeit der Freude und zu Hause ist in jeder Hütte ein Fest.
Auch wir feiern mit unseren ärmlichen Mitteln ein Fest. Johansen hat sein Hemd gewendet; ich habe dasselbe getan und außerdem die Unterhosen gewechselt. Ich habe mich mit warmem Wasser gewaschen, wobei die abgelegten Unterhosen als Schwamm und Handtuch dienten. Jetzt fühle ich mich wie neugeboren. Dann hatten wir zum Abendessen Fiskegratin aus Fisch und Maismehl mit Tran anstatt Butter gebacken und gebraten, eins so trocken wie das andere, und zum Nachtisch in Tran geröstetes Brot. Morgen früh werden wir Schokolade und Brot haben.
Mittwoch, 25. Dezember. Schönes Weihnachtswetter; fast windstill und heller Mondschein. Es versetzt einen in eine ganz feierliche Stimmung.; es ist der Frieden von Jahrtausenden. Nachtmittags war das Nordlicht einzig schön.“

Das war das dritte und damit das letzte Weihnachten der Framreise. 1896 im Frühjahr brachen sie aus ihrer Hütte auf und bauten ihre Schlitten zu Kajaks um, kämpften sich ganz nach Süden vor. Dort trafen sie auf die britische Expedition von Frederick George Jackson, die ihre Zelte auf der südlichsten Insel aufgeschlagen hatte und waren damit gerettet. Mit dem Schiff dieser Expedition gelangten sie am 13. August 1896, drei Jahre nach ihrem Aufbruch, wieder nach Vardö in Nordnorwegen.

Und die Fram? Driftete weiter durch das Eismeer, kam ausgerechnet auch am 13. August aus dem Eis frei und erreichte Nordnorwegen genau eine Woche später. Das ist einer dieser irren Zufälle in der Polargeschichte, die all diese Geschichten so wunderbar machen.

Damit aber sei wieder einmal gezeigt: Man braucht keine Reichtümer, Kronleuchter, Rentierbraten mit französischen Bohnen, um sich selbst und anderen etwas Gutes zu tun. Manchmal kann man auch dankbar sein dafür, dass man sich mit warmem Wasser waschen und frische Unterhosen anziehen kann, egal, wo man ist.

In diesem Sinne:
Frohe Weihnachten!

Eure
Birgit Lutz

(Die zitierten Textstellen sind dem Buch „In Nacht und Eis“ von Fridtjof Nansen entnommen).

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Nansen wollte beweisen, dass es eine transpolare Drift gibt, von Russland Richtung Grönland und Kanada – und wollte sich mit dem Schiff im Osten einfrieren lassen und dann gemütlich bis zum Nordpol driften, im Eis. Dafür hatte er extra ein Schiff gebaut, die Fram. Die Fram fror am 22. September 1893 im Eis ein und begann ihre Drift.

Und in diesem gemütlichen Schiff feierten die Forscher also das erste Weihnachtsfest – und hatten dafür ja schon lange vorher einkaufen müssen!

So beschreibt Nansen das erste Weihnachten an Bord, 1893:

Sonntag, 24. Dezember. Weihnachtsabend. 37 Grad Kälte.
Glitzernder Mondschein und die unendliche Stille der arktischen Nacht. Ich machte einen Spaziergang auf dem Eis. Der erste Weihnachtsabend, wie weit von der Heimat!
Es herrschte eine eigentümlich gehobene Stimmung an Bord, wie sonst bei uns durchaus nicht üblich. Jeder beschäftigte sich in seinen geheimsten Gedanken mit der Heimat, allein die Kameraden sollten das nicht merken und infolgedessen wurde mehr gescherzt und gelacht als sonst. Alle Lampen und Lichter, die wir an Bord hatten, brannten, und jede Ecke im Salon und in den Kabinen wurde glänzend erleuchtet.
Die Verpflegung an diesem Fest übertraf natürlich die aller früheren Tage, denn Essen war das Einzige, womit wir Feste feiern konnten. Nach dem Abendessen kamen ganze Berge von Weihnachtskuchen, die Juell während mehrerer Wochen fleißig gebacken hatte, auf den Tisch. Den Höhepunkt erreichte die Feier, als zwei Kisten mit Weihnachtsgeschenken herbeigebracht wurden, die eine von Scott-Hansens Mutter, die andere von seiner Braut. Rührend die Freude, mit der jeder seine Gabe empfing., mochte es nun eine Pfeife, ein Messer, oder sonst eine Kleinigkeit sein, man fühlte, dass es gleichsam eine Botschaft aus der Heimat war.
Montag, 25. Dezember. Zu Hause werden sie jetzt viel an uns denken und uns wegen der Entbehrungen, die wir in dieser kalten, trostlosen Eisregion zu ertragen haben, viele Seufzer widmen. Ich fürchte aber, ihr Mitgefühl würde sich abkühlen, wenn sie uns sehen, unsere Fröhlichkeit hören und Zeuge unserer Behaglichkeit und unseres guten Mutes sein könnten. Ihnen kann es zu Hause kaum besser gehen. Was mich selbst betrifft, so habe ich noch niemals ein so sybaritisches Leben geführt und niemals so viel Grund gehabt, die Folgen zu fürchten, die es mit sich bringt. Man höre nur die Speisenfolge unseres heutigen Mittagessens:
1. Ochsenschwanzsuppe
2. Fischpudding mit Kartoffeln und geschmolzener Butter
3. Rentierbraten mit Erbsen, französischen Bohnen, Kartoffeln und eingemachten Kronsbeeren
4. Moltebeeren mit Sahne
5. Kuchen und Marzipan
Und zu alldem Bockbier! Ist das nun die richtige Art zu essen für Leute, die sich gegen die Schrecken der Polarnacht abhärten sollen? Wir hatten alle so viel gegessen, dass das Abendessen ausfallen musste.
Zählt man zu den guten Dingen noch unser fest gebautes, sicheres Wohnhaus hinzu, unseren behaglichen Salon, den eine große und mehrere kleine Petroleumlampen erleuchten, wenn wir gerade kein elektrisches Licht haben, ferner die beständige Fröhlichkeit, das Kartenspiel und die große Menge von Büchern mit und ohne Bilder, die unterhaltsame Lektüre boten, und endlich einen tüchtigen, gesunden Schlaf – was konnte man sich Besseres wünschen?“

Da hatte der Koch also richtig gut eingekauft und sehr gut geplant, lang vor der Expedition!

Das ganze Jahr 1894 driftete Nansen dann weiter, ohne den Nordpol zu erreichen.
Deswegen beschloss er, im nächsten Frühjahr die Fram zu verlassen und auf Skiern zum Nordpol zu gehen. Und so kam also noch ein zweites Weihnachten auf der Fram, das recht ähnlich dem ersten verlief. Nansen und Johansen verließen dann im März 1894 die Fram und machten sich alleine auf zum Nordpol. Sie kamen zwar so weit wie nie jemand vor ihnen nach Norden, mussten aber doch umdrehen, knapp nördlich des 86. Breitengrads. Sie kämpften sich nach Franz Joseph Land, die Inseln, die erst zwanzig Jahre vorher entdeckt worden waren und überwinterten schließlich in einer Erdhütte am Kap Norwegen der Jackson Insel.

Erdhütte ist allerdings ein großes Wort – ich habe diesen Ort besuchen können, ein abgedecktes Erdloch beschreibt es deutlich besser.

Und in dieser Erdhütte also haben die beiden Männer dann ein drittes Mal Weihnachten fern von zuhause gefeiert.

„Sonntag, 22. Dezember. Ging gestern Abend lange Zeit draußen spazieren., während Johansen als Vorbereitung zum Christfest die Hütte gründlich sauber machte. Das bestand hauptsächlich darin, dass er die Asche aus dem Herd kratzte, die Knochen und Fleischabfälle sammelte und fortwarf und dann das Eis aufbrach, das mit allerlei Kehricht auf dem Boden zusammengefroren war, so dick, dass die Hütte niedriger geworden war.
Dienstag, 24. Dezember. 2 Uhr nachmittags -24°C.
Heute ist also Weihnachtsabend. Kalt und windig ist es draußen, kalt und zugig hier drinnen. Wie einsam es ist! Noch niemals haben wir einen solchen Weihnachtsabend gehabt.
Nun läuten zu Hause die Glocken fas Christfest ein. Jetzt werden die Lichter am Weihnachtsbaum angezündet, die Kinderschar wird hereingelassen und in Freude und Jubel tanzen sie um den Baum herum. Wenn ich wieder nach Hause komme, muss ich ein Weihnachtsfest für Kinder veranstalten. Es ist die Zeit der Freude und zu Hause ist in jeder Hütte ein Fest.
Auch wir feiern mit unseren ärmlichen Mitteln ein Fest. Johansen hat sein Hemd gewendet; ich habe dasselbe getan und außerdem die Unterhosen gewechselt. Ich habe mich mit warmem Wasser gewaschen, wobei die abgelegten Unterhosen als Schwamm und Handtuch dienten. Jetzt fühle ich mich wie neugeboren. Dann hatten wir zum Abendessen Fiskegratin aus Fisch und Maismehl mit Tran anstatt Butter gebacken und gebraten, eins so trocken wie das andere, und zum Nachtisch in Tran geröstetes Brot. Morgen früh werden wir Schokolade und Brot haben.
Mittwoch, 25. Dezember. Schönes Weihnachtswetter; fast windstill und heller Mondschein. Es versetzt einen in eine ganz feierliche Stimmung.; es ist der Frieden von Jahrtausenden. Nachtmittags war das Nordlicht einzig schön.“

Das war das dritte und damit das letzte Weihnachten der Framreise. 1896 im Frühjahr brachen sie aus ihrer Hütte auf und bauten ihre Schlitten zu Kajaks um, kämpften sich ganz nach Süden vor. Dort trafen sie auf die britische Expedition von Frederick George Jackson, die ihre Zelte auf der südlichsten Insel aufgeschlagen hatte und waren damit gerettet. Mit dem Schiff dieser Expedition gelangten sie am 13. August 1896, drei Jahre nach ihrem Aufbruch, wieder nach Vardö in Nordnorwegen.

Und die Fram? Driftete weiter durch das Eismeer, kam ausgerechnet auch am 13. August aus dem Eis frei und erreichte Nordnorwegen genau eine Woche später. Das ist einer dieser irren Zufälle in der Polargeschichte, die all diese Geschichten so wunderbar machen.

Damit aber sei wieder einmal gezeigt: Man braucht keine Reichtümer, Kronleuchter, Rentierbraten mit französischen Bohnen, um sich selbst und anderen etwas Gutes zu tun. Manchmal kann man auch dankbar sein dafür, dass man sich mit warmem Wasser waschen und frische Unterhosen anziehen kann, egal, wo man ist.

In diesem Sinne:
Frohe Weihnachten!

Eure
Birgit Lutz

(Die zitierten Textstellen sind dem Buch „In Nacht und Eis“ von Fridtjof Nansen entnommen).