Foto: Dr. Olaf Denz
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Birgit Lutz

Birgit Lutz

In ihrer Polarkolumne, die ab 2021 immer freitags auf unserer Homepage neu erscheint, schreibt die Expeditionsleiterin und Autorin Birgit Lutz über alle Themenfelder der Polarregionen - von großen Erlebnissen und kleinen Momenten auf eigenen Reisen über aktuelle Entwicklungen in Arktis und Antarktis bis hin zu praktischen Informationen für Ihre Reisevorbereitung oder Empfehlungen zur Polarliteratur.

Notizen aus dem Eis 60 – Der arktische Papagei

Schon früh im Jahr kann man in Spitzbergen einen mittlerweile immer häufigeren Gast beobachten: den Papageitaucher, der aussieht wie eine Kreuzung aus Pinguin und Papagei.

Das auffälligste Merkmal des Papageitauchers ist sein bunter Schnabel – zumindest dann, wenn die meisten Sichtungen passieren, im Sommer. Im Winter nämlich wird der Schnabel grau. Zuallererst sei hier aber über seinen Namen gesprochen, in allergrößter Deutlichkeit: Der Papageitaucher heißt Papageitaucher, lateinisch Fratercula arctica, englisch Puffin. Nicht aber Papageientaucher, wie ihn kurioserweise die meisten Menschen nennen. Wenn Ihr also mal mit Vogelkundlern unterwegs seid, könnt Ihr gleich mal so tun, als hättet Ihr Ahnung, und diesen Namen richtig aussprechen. Das machen nämlich die wenigsten.

Der Papageitaucher ist etwa 30 Zentimeter groß und gehört zu den Alken; wenn er keinen bunten Schnabel hätte, würde er einer Dickschnabellumme ähneln. Mit dem bunten Schnabel allerdings ist er ein weitaus beliebteres Fotomotiv. In den letzten Jahren kann man auch auf Spitzbergen immer mehr dieser schönen Vögel beobachten, wenn auch bei weitem nicht in so großen Kolonien wie auf Island, in Schottland oder Norwegen.

Hat man das Glück, Papageitaucher zu sehen, und ist dann auch noch das Wasser klar, kann man manchmal richtig gut beobachten, wie sie tauchen: Sie scheinen auch unter Wasser zu fliegen, was sehr kurios aussieht. Sie setzen ihre Flügel wie Propeller ein und ihre Schwimmhäute sind die Steuerpaddel. Die Flügel übrigens bringen es auf eine Spannweite von immerhin 50 Zentimetern. Es ist also gar kein so kleiner Propeller, der da unterwegs ist! So schrauben sie sich recht schnell in Tiefen bis 60 oder 70 Metern. Dort füllen sie dann ihre bunten Schnäbel mit so viel Fisch, wie hineinpasst, und das ist eine Menge: Beim Rekordhalter in Kanada wurden 61 Fischlein gezählt. 61. Bitte nicht zuhause nachmachen. Denn wir haben keine krummen Dornen in unseren Mündern, wie dieser Vogel: Mit seiner Zunge drückt er seine Beute gegen diese Dornen, wie gegen eingebaute Angelhaken. Dadurch entkommen ihm die Fische auch nicht mehr, wenn er seinen Schnabel erneut weit aufsperrt. Schlau, oder? Außer Fischen verschmäht der Papageitaucher aber auch Krabben und kleine Weichtiere nicht.

Wenn er dann wieder auftaucht, fliegt er mit Geschwindigkeiten von bis zu 88 km/h zurück an Land, wobei er 400 mal pro Minute mit den Flügeln schlägt. Man sieht also eigentlich nur seinen Körper durch die Luft fliegen, mit etwas Schatten an den Seiten. Die Flügelbewegungen selbst sind viel zu schnell. Wieder eines jener Lebewesen also, das sowohl in der Luft als auch im Wasser prima unterwegs ist. Nur an Land watscheln sie ein bisschen, aber wer will das bei diesen Leistungen kritisieren.

Papageitaucher, und jetzt wird es schön, gehören zu den Vogelarten, die ein Leben lang zusammenbleiben, wenn sie sich einmal gefunden haben. Als Liebesbeweis schnäbeln die Papageitaucher sich ausgiebig an. Die Partnerwahl muss auch hier mit viel Bedacht erfolgen, denn die Papageitaucher arbeiten gut zusammen: Das Weibchen legt immer nur ein Ei, das von Männchen und Weibchen gleichermaßen bebrütet und gefüttert wird. Im Süden, auf Island oder in Norwegen bauen sich die Papageitaucher Bruthöhlen, in Spitzbergen geht das bisher eher schlecht, so dass sie hier wie die anderen Alken auch zwischen Steinen oder Felsspalten brüten. Fünf bis zehn Wochen bleibt das Küken dann bei den Eltern,

Wenn der Winter kommt, verlassen sie ihre Brutstellen und überwintern dann auf dem Meer. Wie sie dann zu ihren Brutstellen wieder zurückfinden, ist noch unbekannt – aber sie können es.

Ein kleines Wesen also, das nicht nur schön aussieht, sondern auch wieder sehr viele Fähigkeiten hat, damit es in unserer harschen Welt überleben kann.

Bis in zwei Wochen!

Eure
Birgit Lutz

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Der Papageitaucher ist etwa 30 Zentimeter groß und gehört zu den Alken; wenn er keinen bunten Schnabel hätte, würde er einer Dickschnabellumme ähneln. Mit dem bunten Schnabel allerdings ist er ein weitaus beliebteres Fotomotiv. In den letzten Jahren kann man auch auf Spitzbergen immer mehr dieser schönen Vögel beobachten, wenn auch bei weitem nicht in so großen Kolonien wie auf Island, in Schottland oder Norwegen.

Hat man das Glück, Papageitaucher zu sehen, und ist dann auch noch das Wasser klar, kann man manchmal richtig gut beobachten, wie sie tauchen: Sie scheinen auch unter Wasser zu fliegen, was sehr kurios aussieht. Sie setzen ihre Flügel wie Propeller ein und ihre Schwimmhäute sind die Steuerpaddel. Die Flügel übrigens bringen es auf eine Spannweite von immerhin 50 Zentimetern. Es ist also gar kein so kleiner Propeller, der da unterwegs ist! So schrauben sie sich recht schnell in Tiefen bis 60 oder 70 Metern. Dort füllen sie dann ihre bunten Schnäbel mit so viel Fisch, wie hineinpasst, und das ist eine Menge: Beim Rekordhalter in Kanada wurden 61 Fischlein gezählt. 61. Bitte nicht zuhause nachmachen. Denn wir haben keine krummen Dornen in unseren Mündern, wie dieser Vogel: Mit seiner Zunge drückt er seine Beute gegen diese Dornen, wie gegen eingebaute Angelhaken. Dadurch entkommen ihm die Fische auch nicht mehr, wenn er seinen Schnabel erneut weit aufsperrt. Schlau, oder? Außer Fischen verschmäht der Papageitaucher aber auch Krabben und kleine Weichtiere nicht.

Wenn er dann wieder auftaucht, fliegt er mit Geschwindigkeiten von bis zu 88 km/h zurück an Land, wobei er 400 mal pro Minute mit den Flügeln schlägt. Man sieht also eigentlich nur seinen Körper durch die Luft fliegen, mit etwas Schatten an den Seiten. Die Flügelbewegungen selbst sind viel zu schnell. Wieder eines jener Lebewesen also, das sowohl in der Luft als auch im Wasser prima unterwegs ist. Nur an Land watscheln sie ein bisschen, aber wer will das bei diesen Leistungen kritisieren.

Papageitaucher, und jetzt wird es schön, gehören zu den Vogelarten, die ein Leben lang zusammenbleiben, wenn sie sich einmal gefunden haben. Als Liebesbeweis schnäbeln die Papageitaucher sich ausgiebig an. Die Partnerwahl muss auch hier mit viel Bedacht erfolgen, denn die Papageitaucher arbeiten gut zusammen: Das Weibchen legt immer nur ein Ei, das von Männchen und Weibchen gleichermaßen bebrütet und gefüttert wird. Im Süden, auf Island oder in Norwegen bauen sich die Papageitaucher Bruthöhlen, in Spitzbergen geht das bisher eher schlecht, so dass sie hier wie die anderen Alken auch zwischen Steinen oder Felsspalten brüten. Fünf bis zehn Wochen bleibt das Küken dann bei den Eltern,

Wenn der Winter kommt, verlassen sie ihre Brutstellen und überwintern dann auf dem Meer. Wie sie dann zu ihren Brutstellen wieder zurückfinden, ist noch unbekannt – aber sie können es.

Ein kleines Wesen also, das nicht nur schön aussieht, sondern auch wieder sehr viele Fähigkeiten hat, damit es in unserer harschen Welt überleben kann.

Bis in zwei Wochen!

Eure
Birgit Lutz