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Birgit Lutz

Birgit Lutz

In ihrer Polarkolumne, die ab 2021 immer freitags auf unserer Homepage neu erscheint, schreibt die Expeditionsleiterin und Autorin Birgit Lutz über alle Themenfelder der Polarregionen - von großen Erlebnissen und kleinen Momenten auf eigenen Reisen über aktuelle Entwicklungen in Arktis und Antarktis bis hin zu praktischen Informationen für Ihre Reisevorbereitung oder Empfehlungen zur Polarliteratur.

Notizen aus dem Eis 12 – Kleine oder große Schiffe?

Heute mal wieder was Praktisches. Weil mir eine ganz bestimmte Frage immer wieder gestellt wird. Und diese Frage lautet: Mit welchem Schiff soll ich in die Arktis fahren – mit einem kleinen oder großen?

Die Antwort darauf ist, wie so oft: Das kommt darauf an. Und zwar darauf, was man selbst von der Reise erwartet oder möchte.

Zunächst muss ich erklären, was kleine und große Schiffe für mich sind – denn auch das ist natürlich schon relativ. Kleine Schiffe haben für mich zwölf bis 32 Gäste. Große etwa 100 Gäste. Auf noch größeren Schiffen bin ich selbst, bis auf sehr wenige Ausnahmen, noch nicht unterwegs gewesen, so dass ich dazu wenig sagen kann. Wenn ich im Folgenden also von großen Schiffen spreche, meine ich damit bis etwa 100 Gäste.

Was ist nun der große Unterschied dieser kleinen und großen Schifffe? Der kann natürlich nicht generalisiert werden, denn jedes Schiff ist auf seine Weise, und wie es geführt wird, einzigartig. Aber einige Unterschiede gibt es doch, die zumindest so ungefähr wohl ganz allgemein gelten. Ich habe mich einmal bemüht, diese aufzuführen – und dabei nach den Vor- und Nachteilen geordnet. Denn beide Schiffsgrößen haben ihre spezifischen Vor- und Nachteile, und je nachdem, worauf man mehr Wert legt, ist dann eher ein kleines oder ein großes Schiff das richtige.

Fangen wir mit den kleinen Schiffen an:

Die Vorteile kleiner Schiffe

Kleine Schiffe sind wendiger, haben einen geringeren Tiefgang. Mit ihnen kommt man an Orte, die für größere Schiffe oft unerreichbar sind. So kann man in Spitzbergen zum Beispiel mit kleinen Schiffen durch den Forlandsund – zwischen der Insel Prins Karls Forland und der Hauptinsel – hindurch fahren, während große außen herumfahren müssen. Die Landestellen in dieser Region bleiben damit den kleineren Schiffen vorbehalten.

Ein wichtiger Faktor bei Reisen in arktischen Gebieten ist die Anzahl und Qualität der Fahrtleiter und Guides – weil sich die Gäste aufgrund der Eisbärenpräsenz nirgends frei bewegen dürfen. Man ist also ausschließlich in Gruppen unterwegs. Bei Schiffen mit zwölf Gästen und zwei Guides kommen nun sechs Gäste auf einen Guide – ein besseres Verhältnis gibt es nicht. Auch bei 32 Gästen mit drei Guides ist das Verhältnis noch sehr gut, und die Gruppen, die an Land unterwegs sind, bleiben klein. Wer Wert auf fast individuelles Reisen legt, ist hier richtig.

Die kleine Gruppengröße erlaubt eine größere Bandbreite an Möglichkeiten. So kann man in kleinen Gruppen auch durchaus einmal richtig anstrengende Wandertouren unternehmen, wenn es gewünscht ist. Oder nur in der Sonne liegen bleiben – wenn das gewünscht ist.
Mit wenigen Gästen ist man flexibel – man kann auch einmal etwas ausprobieren, abends oder zwischendurch noch eine kurze Landung einbauen – die Ausschiffungen sind schnell, niemand muss an Bord oder an Land lange warten. Manche Landestellen in Spitzbergen sind etwa für größere Gruppen gar nicht erlaubt, wie etwa Virgohamna.

Ein ganz besonderes Erlebnis sind dabei die Segelschiffe – unter Segeln einen arktischen Fjord entlang zu fahren oder die weiteren Strecken wie rund um das Südkap Spitzbergens unter Segeln zurück zu legen, ist ein besonderes Erlebnis, das auf einem reinen Motorschiff nicht möglich ist.

Kleine Schiffe wie die SV Antigua oder die MS Cape Race sind im Innenbereich sehr individuell und sehr gemütlich gestaltet. Hier sind keine modernen Designer am Werk gewesen, die Einrichtungen sind alt, aber liebevoll instandgehalten und mit einzigartigen Details versehen, die eigene Geschichten haben. Das merkt man – man ist auf diesen Schiffen sofort zuhause.

Obwohl auch die meisten kleinen Schiffe leistungsstarke Zodiacs an Bord haben, dient oftmals das Schiff als Schlauchboot – was andere große Schiffe nur in Booten machen können (an Vogelfelsen entlang fahren oder lange vor Gletschern anhalten), kann man auf kleinen Schiffen an Bord erleben, aber gemütlich und mit einer Tasse Tee in der Hand. Unvergesslich sind dann Erlebnisse, wie einen ganzen Nachmittag einen Gletscher entlang zu driften, Eis zu fischen, an Bord in der Sonne zu sitzen und Kalbungen abwarten, in Ruhe hunderte Fotos zu schießen. Dennoch werden natürlich auch mit kleinen Schiffen Zodiac Touren unternommen.

Die Nachteile kleiner Schiffe

Kleinere Schiffe müssen größere Vorsicht beim Einfahren ins Meereis walten lassen. Der Umgang mit Meereis ist bei Schiffen immer von der Eisklasse abhängig. Segler wie die Antigua können bei ruhigen Bedingungen gut mit offenem Drifteis umgehen, zu dicht sollte es jedoch nicht werden. Das kann bei Umrundungen dann durchaus eine Rolle spielen, wenn noch dichteres Drifteis vorhanden ist – dann kann es passieren, dass größere Schiffe die Umrundung schaffen, ein Segler aber umdrehen muss.

Auf kleinen Schiffen können auch die Kabinen kleiner sein (das ist aber tatsächlich nicht automatisch der Fall) oder es gibt keine verschiedenen Kategorien.

Kleinere Schiffe lassen ihren Fahrgast schneller spüren, dass er auf einem Schiff ist. Wer stark unter Seekrankheit leidet, sollte sich überlegen, ob nicht ein größeres besser ist für ihn.

Kleinere Schiffe sind meistens langsamer unterwegs als große. Das heißt, man ist nicht ganz so flexibel, wenn schlechtes Wetter aufzieht und man braucht einfach länger für größere Distanzen. Auch für Umrundungen muss man mehr Zeit und Urlaubstage einplanen.

Die kleine Gruppengröße kann für manche Gäste auch anstrengend sein, wenn sich unter den wenigen Mitreisenden kein Gleichgesinnter findet – auf größeren Schiffen gibt es mehr Auswahl und auch Ausweichmöglichkeiten.

Damit wären alle Vor-und Nachteile kleiner Schiffe aufgelistet, die mir einfallen – es kommt dann eben wirklich darauf an, auf welche Punkte man selbst wert legt.
Und nun zu den großen Schiffen:

Die Vorteile großer Schiffe

Große Schiffe mit Eisklasse können in dichteres Drifteis fahren – die Chance, einen Eisbären im Eis zu sehen, ist früh in der Saison auf einem großen Schiff größer, als auf einem kleinen.

Große Schiffe sind außerdem schneller als kleinere – die Umrundungen Spitzbergens nehmen weniger Tage in Anspruch, große Distanzen können in kürzerer Zeit zurückgelegt werden.

Auf größeren Schiffen gibt es meist verschiedene Kabinenkategorien – sowohl in die eine, wie auch in die andere Richtung. Wer Wert auf viel Platz und Luxus legt, kann sich hier wiederfinden, genauso wie jemand, dessen Budget nur für eine Vierbettkabine reicht. Eine solche Auswahl ist auf kleinen Schiffen meist nicht zu finden.

Wer in seinem Urlaub gerne viele verschiedene Leute trifft oder abends an der Bar gerne jemanden kennenlernt, hat auf einem großen Schiff mehr Auswahl als auf einem kleinen.
Auf den Schiffen mit etwa 100 Gästen ist meist ein Team von acht Guides an Bord – und diese sehr verschiedenen Charaktere können eine Reise durchaus sehr bereichern. Auf manchen der größeren Schiffe kann man dann auch seine Garderobe ausführen, wenn man das will.

Und nicht zuletzt: Auf großen Schiffen spürt man die Schiffsbewegungen weniger als auf kleinen Schiffen – wobei auch das natürlich sehr vom Wetter abhängig ist.

Die Nachteile großer Schiffe

Auf den meisten der großen Schiffe werden die Gäste an Land in drei Gruppen eingeteilt – das heißt, eine Gruppe kann auch 40 und mehr Personen umfassen. Manchmal werden diese dann nochmals geteilt, wenn eine Gruppe sehr groß ist – aber die Gruppengröße ist meist deutlich größer als bei kleinen Schiffen.

Die Ein- und Ausschiffungen dauern länger, meistens gibt es kurze Wartezeiten beim Ein- und Aussteigen in die Boote, das macht große Schiffe insgesamt etwas unflexibler.

Mit großen Schiffen werden meist die Orte angefahren, die gut erreichbar und bekannt sind, es werden weniger neue, unbekannte Landungsplätze einfach mal ausgetestet.

Die Ruhe der Arktis kann auf einem großen Schiff manchmal etwas schwieriger zu erleben sein als auf einem kleinen – doch auch auf den meisten großen Schiffen lassen sich ruhige Ecken finden, und auf manchen Schiffen meint man gar nicht, mit 100 anderen an Bord zu sein.

Und das Fazit?

Es gibt mit Sicherheit Gäste, die immer nur auf großen oder immer nur auf kleinen Schiffen fahren möchten, und das auch nie ändern würden. Sicher sind auch Faktoren, die ich hier als Vor- oder Nachteil eingeordnet habe, für den ein oder anderen genau umgekehrt – vielleicht ist es für jemanden gar kein Nachteil, dass auf kleinen Schiffen Umrundungen länger dauern, und der andere sieht es ebenso als Vorteil, dass er in einer größeren Gruppe unterwegs ist.
Es kommt eben darauf an, was man selbst möchte, was man erwartet, wie man unterwegs sein möchte, vielleicht auch, wieviel Zeit und welches Budget man hat.

Ich selbst fahre sehr, sehr gern auf kleinen Schiffen, weil ich die persönliche Atmosphäre sehr schätze und gerne auch einmal spontan neue Landestellen ausprobiere. Ich bin auch gerne unkompliziert und flexibel unterwegs und entdecke gerne gemeinsam mit meinen Gästen neue Dinge, packe meine Gäste wie Freunde ein und sage, jetzt schauen wir einfach mal, was wir dort finden! So habe ich schon ganz wunderbare Landgänge erlebt, die für alle eine tolle Erfahrung waren.

Genauso gerne bin ich dann aber auch wieder auf den größeren Schiffen, in einem Team von acht Guides unterwegs und höre und sehe auch von diesen wieder Neues – und fahre gerne weiter in dichteres Drifteis hinein. Ich möchte also diesen Wechsel in meiner Arbeit nicht missen!

So, und nun habe ich es den Vielen, die mir diese Frage immer wieder stellen, vielleicht ein klitzekleines bisschen einfacher gemacht – vielleicht fällt ihnen die Wahl jetzt aber noch schwerer.

Eines steht aber ja sowieso fest: Egal, auf welchem Schiff dieser Größen – die Hauptrolle spielt immer die Umgebung, und die ist einfach wunderbar.

Vielleicht sehen wir uns ja mal, auf einem kleinen oder großen Schiff!

Bis nächste Woche,

Ihre

Birgit Lutz

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Zunächst muss ich erklären, was kleine und große Schiffe für mich sind – denn auch das ist natürlich schon relativ. Kleine Schiffe haben für mich zwölf bis 32 Gäste. Große etwa 100 Gäste. Auf noch größeren Schiffen bin ich selbst, bis auf sehr wenige Ausnahmen, noch nicht unterwegs gewesen, so dass ich dazu wenig sagen kann. Wenn ich im Folgenden also von großen Schiffen spreche, meine ich damit bis etwa 100 Gäste.

Was ist nun der große Unterschied dieser kleinen und großen Schifffe? Der kann natürlich nicht generalisiert werden, denn jedes Schiff ist auf seine Weise, und wie es geführt wird, einzigartig. Aber einige Unterschiede gibt es doch, die zumindest so ungefähr wohl ganz allgemein gelten. Ich habe mich einmal bemüht, diese aufzuführen – und dabei nach den Vor- und Nachteilen geordnet. Denn beide Schiffsgrößen haben ihre spezifischen Vor- und Nachteile, und je nachdem, worauf man mehr Wert legt, ist dann eher ein kleines oder ein großes Schiff das richtige.

Fangen wir mit den kleinen Schiffen an:

Die Vorteile kleiner Schiffe

Kleine Schiffe sind wendiger, haben einen geringeren Tiefgang. Mit ihnen kommt man an Orte, die für größere Schiffe oft unerreichbar sind. So kann man in Spitzbergen zum Beispiel mit kleinen Schiffen durch den Forlandsund – zwischen der Insel Prins Karls Forland und der Hauptinsel – hindurch fahren, während große außen herumfahren müssen. Die Landestellen in dieser Region bleiben damit den kleineren Schiffen vorbehalten.

Ein wichtiger Faktor bei Reisen in arktischen Gebieten ist die Anzahl und Qualität der Fahrtleiter und Guides – weil sich die Gäste aufgrund der Eisbärenpräsenz nirgends frei bewegen dürfen. Man ist also ausschließlich in Gruppen unterwegs. Bei Schiffen mit zwölf Gästen und zwei Guides kommen nun sechs Gäste auf einen Guide – ein besseres Verhältnis gibt es nicht. Auch bei 32 Gästen mit drei Guides ist das Verhältnis noch sehr gut, und die Gruppen, die an Land unterwegs sind, bleiben klein. Wer Wert auf fast individuelles Reisen legt, ist hier richtig.

Die kleine Gruppengröße erlaubt eine größere Bandbreite an Möglichkeiten. So kann man in kleinen Gruppen auch durchaus einmal richtig anstrengende Wandertouren unternehmen, wenn es gewünscht ist. Oder nur in der Sonne liegen bleiben – wenn das gewünscht ist.
Mit wenigen Gästen ist man flexibel – man kann auch einmal etwas ausprobieren, abends oder zwischendurch noch eine kurze Landung einbauen – die Ausschiffungen sind schnell, niemand muss an Bord oder an Land lange warten. Manche Landestellen in Spitzbergen sind etwa für größere Gruppen gar nicht erlaubt, wie etwa Virgohamna.

Ein ganz besonderes Erlebnis sind dabei die Segelschiffe – unter Segeln einen arktischen Fjord entlang zu fahren oder die weiteren Strecken wie rund um das Südkap Spitzbergens unter Segeln zurück zu legen, ist ein besonderes Erlebnis, das auf einem reinen Motorschiff nicht möglich ist.

Kleine Schiffe wie die SV Antigua oder die MS Cape Race sind im Innenbereich sehr individuell und sehr gemütlich gestaltet. Hier sind keine modernen Designer am Werk gewesen, die Einrichtungen sind alt, aber liebevoll instandgehalten und mit einzigartigen Details versehen, die eigene Geschichten haben. Das merkt man – man ist auf diesen Schiffen sofort zuhause.

Obwohl auch die meisten kleinen Schiffe leistungsstarke Zodiacs an Bord haben, dient oftmals das Schiff als Schlauchboot – was andere große Schiffe nur in Booten machen können (an Vogelfelsen entlang fahren oder lange vor Gletschern anhalten), kann man auf kleinen Schiffen an Bord erleben, aber gemütlich und mit einer Tasse Tee in der Hand. Unvergesslich sind dann Erlebnisse, wie einen ganzen Nachmittag einen Gletscher entlang zu driften, Eis zu fischen, an Bord in der Sonne zu sitzen und Kalbungen abwarten, in Ruhe hunderte Fotos zu schießen. Dennoch werden natürlich auch mit kleinen Schiffen Zodiac Touren unternommen.

Die Nachteile kleiner Schiffe

Kleinere Schiffe müssen größere Vorsicht beim Einfahren ins Meereis walten lassen. Der Umgang mit Meereis ist bei Schiffen immer von der Eisklasse abhängig. Segler wie die Antigua können bei ruhigen Bedingungen gut mit offenem Drifteis umgehen, zu dicht sollte es jedoch nicht werden. Das kann bei Umrundungen dann durchaus eine Rolle spielen, wenn noch dichteres Drifteis vorhanden ist – dann kann es passieren, dass größere Schiffe die Umrundung schaffen, ein Segler aber umdrehen muss.

Auf kleinen Schiffen können auch die Kabinen kleiner sein (das ist aber tatsächlich nicht automatisch der Fall) oder es gibt keine verschiedenen Kategorien.

Kleinere Schiffe lassen ihren Fahrgast schneller spüren, dass er auf einem Schiff ist. Wer stark unter Seekrankheit leidet, sollte sich überlegen, ob nicht ein größeres besser ist für ihn.

Kleinere Schiffe sind meistens langsamer unterwegs als große. Das heißt, man ist nicht ganz so flexibel, wenn schlechtes Wetter aufzieht und man braucht einfach länger für größere Distanzen. Auch für Umrundungen muss man mehr Zeit und Urlaubstage einplanen.

Die kleine Gruppengröße kann für manche Gäste auch anstrengend sein, wenn sich unter den wenigen Mitreisenden kein Gleichgesinnter findet – auf größeren Schiffen gibt es mehr Auswahl und auch Ausweichmöglichkeiten.

Damit wären alle Vor-und Nachteile kleiner Schiffe aufgelistet, die mir einfallen – es kommt dann eben wirklich darauf an, auf welche Punkte man selbst wert legt.
Und nun zu den großen Schiffen:

Die Vorteile großer Schiffe

Große Schiffe mit Eisklasse können in dichteres Drifteis fahren – die Chance, einen Eisbären im Eis zu sehen, ist früh in der Saison auf einem großen Schiff größer, als auf einem kleinen.

Große Schiffe sind außerdem schneller als kleinere – die Umrundungen Spitzbergens nehmen weniger Tage in Anspruch, große Distanzen können in kürzerer Zeit zurückgelegt werden.

Auf größeren Schiffen gibt es meist verschiedene Kabinenkategorien – sowohl in die eine, wie auch in die andere Richtung. Wer Wert auf viel Platz und Luxus legt, kann sich hier wiederfinden, genauso wie jemand, dessen Budget nur für eine Vierbettkabine reicht. Eine solche Auswahl ist auf kleinen Schiffen meist nicht zu finden.

Wer in seinem Urlaub gerne viele verschiedene Leute trifft oder abends an der Bar gerne jemanden kennenlernt, hat auf einem großen Schiff mehr Auswahl als auf einem kleinen.
Auf den Schiffen mit etwa 100 Gästen ist meist ein Team von acht Guides an Bord – und diese sehr verschiedenen Charaktere können eine Reise durchaus sehr bereichern. Auf manchen der größeren Schiffe kann man dann auch seine Garderobe ausführen, wenn man das will.

Und nicht zuletzt: Auf großen Schiffen spürt man die Schiffsbewegungen weniger als auf kleinen Schiffen – wobei auch das natürlich sehr vom Wetter abhängig ist.

Die Nachteile großer Schiffe

Auf den meisten der großen Schiffe werden die Gäste an Land in drei Gruppen eingeteilt – das heißt, eine Gruppe kann auch 40 und mehr Personen umfassen. Manchmal werden diese dann nochmals geteilt, wenn eine Gruppe sehr groß ist – aber die Gruppengröße ist meist deutlich größer als bei kleinen Schiffen.

Die Ein- und Ausschiffungen dauern länger, meistens gibt es kurze Wartezeiten beim Ein- und Aussteigen in die Boote, das macht große Schiffe insgesamt etwas unflexibler.

Mit großen Schiffen werden meist die Orte angefahren, die gut erreichbar und bekannt sind, es werden weniger neue, unbekannte Landungsplätze einfach mal ausgetestet.

Die Ruhe der Arktis kann auf einem großen Schiff manchmal etwas schwieriger zu erleben sein als auf einem kleinen – doch auch auf den meisten großen Schiffen lassen sich ruhige Ecken finden, und auf manchen Schiffen meint man gar nicht, mit 100 anderen an Bord zu sein.

Und das Fazit?

Es gibt mit Sicherheit Gäste, die immer nur auf großen oder immer nur auf kleinen Schiffen fahren möchten, und das auch nie ändern würden. Sicher sind auch Faktoren, die ich hier als Vor- oder Nachteil eingeordnet habe, für den ein oder anderen genau umgekehrt – vielleicht ist es für jemanden gar kein Nachteil, dass auf kleinen Schiffen Umrundungen länger dauern, und der andere sieht es ebenso als Vorteil, dass er in einer größeren Gruppe unterwegs ist.
Es kommt eben darauf an, was man selbst möchte, was man erwartet, wie man unterwegs sein möchte, vielleicht auch, wieviel Zeit und welches Budget man hat.

Ich selbst fahre sehr, sehr gern auf kleinen Schiffen, weil ich die persönliche Atmosphäre sehr schätze und gerne auch einmal spontan neue Landestellen ausprobiere. Ich bin auch gerne unkompliziert und flexibel unterwegs und entdecke gerne gemeinsam mit meinen Gästen neue Dinge, packe meine Gäste wie Freunde ein und sage, jetzt schauen wir einfach mal, was wir dort finden! So habe ich schon ganz wunderbare Landgänge erlebt, die für alle eine tolle Erfahrung waren.

Genauso gerne bin ich dann aber auch wieder auf den größeren Schiffen, in einem Team von acht Guides unterwegs und höre und sehe auch von diesen wieder Neues – und fahre gerne weiter in dichteres Drifteis hinein. Ich möchte also diesen Wechsel in meiner Arbeit nicht missen!

So, und nun habe ich es den Vielen, die mir diese Frage immer wieder stellen, vielleicht ein klitzekleines bisschen einfacher gemacht – vielleicht fällt ihnen die Wahl jetzt aber noch schwerer.

Eines steht aber ja sowieso fest: Egal, auf welchem Schiff dieser Größen – die Hauptrolle spielt immer die Umgebung, und die ist einfach wunderbar.

Vielleicht sehen wir uns ja mal, auf einem kleinen oder großen Schiff!

Bis nächste Woche,

Ihre

Birgit Lutz