Foto von: Michelle Van Dijk
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Birgit Lutz

Birgit Lutz

In ihrer Polarkolumne, die ab 2021 immer freitags auf unserer Homepage neu erscheint, schreibt die Expeditionsleiterin und Autorin Birgit Lutz über alle Themenfelder der Polarregionen - von großen Erlebnissen und kleinen Momenten auf eigenen Reisen über aktuelle Entwicklungen in Arktis und Antarktis bis hin zu praktischen Informationen für Ihre Reisevorbereitung oder Empfehlungen zur Polarliteratur.

Notizen aus dem Eis 56 – Das Superfood der Seefahrer

Im Flachland beginnt ja nun schon langsam der Frühling – deswegen erzähle ich heute von einer Pflanze, die nicht nur im höchsten Norden gute Dienste leisten kann: das Skorbutkraut.

Wer hätte gedacht, dass man in der Arktis Salat ernten kann? Naja, ganz so ist es in Spitzbergen nicht – aber einen Salatberg gibt es immerhin! Und der heißt deswegen so, weil holländische Walfänger tatsächlich sehr erfolgreich zum Kräutersammeln auf ihm unterwegs waren. Der Salatberg liegt ein Stück von der alten Walfangstation Smeerenburg entfernt, in der vor knapp 400 Jahren das Fett der Wale zu Öl verkocht und nach Süden verschifft wurde. Eine beschwerliche, anstrengende Arbeit, in widrigen Umständen, mit wenig und dürftiger Bekleidung, und mit dürftigem Proviant.

Umso wichtiger waren Lebensmittel, die reich an Vitaminen waren. Und noch wichtiger, wenn man sie sogar unterwegs bekommen konnte. Und hier kommen wir zu dem Salat an besagtem Berg, der kein Salat, sondern: Löffelkraut war.

Das Löffelkraut (Cochlearua officinalis) war damals ein gebräuchliches Kraut in den Küchen. Heute kennt man es kaum noch, es muss erst noch als „Superfood“ wieder entdeckt werden. Wenn es so weit ist, kann es dann grüne smoothies zu Vitaminbomben machen, die wahrscheinlich „Seaman´s Secret“ oder „Captain“s Cannon“ heißen werden.

Denn das Löffelkraut hat einen sehr hohen Gehalt an Vitamin C. Genau deshalb war ja es so beliebt bei den Seefahrern, konnten sie damit doch dem stets drohenden Skorbut oder, wie er noch genannt wurde: Scharbock, vorbeugen. Deswegen heißt das Löffelkraut heute noch mancherorten Scharbocksheil.

Das Löffelkraut gehört zu den Kreuzblütengewächsen. Es ist eines der wenigen Gewürzkräuter, auch an der rauen norwegischen, finnischen oder schwedischen Küste gedeiht, und eben auch an den windigen Hügeln Spitzbergens. Aber auch in unseren Landen kann was draus werden. Wer sich also ein Stück Norden nach Hause holen will, kann ja mal Löffelkraut in seinen heimischen Kräutergarten einführen.

Das Löffelkraut ist eine zweijährige Pflanze, die ungefähr 20 bis 40 Zentimeter hoch wird, wenn man sie bei uns einpflanzt. In Spitzbergen ist sie in der Regel wenige Zentimeter flach – außer man sucht unter sehr nährstoffreichen Vogelfelsen, wo alles Grünzeug sehr gut gedüngt wird. Löffelkraut heißt es natürlich wegen seiner Blätterform. Sie sind glatt und dunkelgrün – und geformt wie kleine Löffelchen.

Wer sie bei sich einpflanzen will, sucht ihr einen möglichst arktischen Platz, also etwas kühler, daher schattig bis halbschattig, und pflanzt sie in feuchten, sandig-steinigen Boden. Von März an kann man sie bei uns einsäen und die Blätter dieser Aussaat im Sommer ernten, während die Blätter der Spätsaat dann gerade richtig im Herbst und Winter zum Einsatz kommen.

Und wie schmeckt´s? Tatsächlich denke ich mir jetzt, ich sollte es mal probieren! Aber wir dürfen ja nichts abzupfen in Spitzbergen, also muss ich mir wohl tatsächlich ein paar Skorbutkrautsamen besorgen. Angeblich ist das Aroma: scharf, zugleich etwas bitter und salzig.

Gegessen wird es gerne als Würze zu Salaten, in Kartoffel-, Quark- und Eiergerichten und sogar als Abwechslung zu Schnittlauch und Kresse einfach auf dem Brot.

Und was kann´s? Heute leiden wir eher selten noch an dem Vitaminmangel, den die Walfänger von Smeerenburg so fürchteten. Das Kraut hat aber außer Vitamin C noch anderes in sich: Senfölglykoside, Mineralsalze, Gerbstoffe und Bitterstoffe – und das ergibt alles zusammen eine verdauungs- und stoffwechselanregende sowie blutreinigende Wirkung, Tees aus den getrockneten Blättern sollen außerdem gegen Rheuma und Gicht helfen. Was mich überzeugt hat, es mal mit dem Kraut zu probieren, ist aber sein Einsatz gegen: Frühjahrsmüdigkeit.

Ich werde also pflanzen und kommendes Frühjahr topfit berichten.
Ihr auch?

Bis in zwei Wochen!

Eure
Birgit Lutz

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Umso wichtiger waren Lebensmittel, die reich an Vitaminen waren. Und noch wichtiger, wenn man sie sogar unterwegs bekommen konnte. Und hier kommen wir zu dem Salat an besagtem Berg, der kein Salat, sondern: Löffelkraut war.

Das Löffelkraut (Cochlearua officinalis) war damals ein gebräuchliches Kraut in den Küchen. Heute kennt man es kaum noch, es muss erst noch als „Superfood“ wieder entdeckt werden. Wenn es so weit ist, kann es dann grüne smoothies zu Vitaminbomben machen, die wahrscheinlich „Seaman´s Secret“ oder „Captain“s Cannon“ heißen werden.

Denn das Löffelkraut hat einen sehr hohen Gehalt an Vitamin C. Genau deshalb war ja es so beliebt bei den Seefahrern, konnten sie damit doch dem stets drohenden Skorbut oder, wie er noch genannt wurde: Scharbock, vorbeugen. Deswegen heißt das Löffelkraut heute noch mancherorten Scharbocksheil.

Das Löffelkraut gehört zu den Kreuzblütengewächsen. Es ist eines der wenigen Gewürzkräuter, auch an der rauen norwegischen, finnischen oder schwedischen Küste gedeiht, und eben auch an den windigen Hügeln Spitzbergens. Aber auch in unseren Landen kann was draus werden. Wer sich also ein Stück Norden nach Hause holen will, kann ja mal Löffelkraut in seinen heimischen Kräutergarten einführen.

Das Löffelkraut ist eine zweijährige Pflanze, die ungefähr 20 bis 40 Zentimeter hoch wird, wenn man sie bei uns einpflanzt. In Spitzbergen ist sie in der Regel wenige Zentimeter flach – außer man sucht unter sehr nährstoffreichen Vogelfelsen, wo alles Grünzeug sehr gut gedüngt wird. Löffelkraut heißt es natürlich wegen seiner Blätterform. Sie sind glatt und dunkelgrün – und geformt wie kleine Löffelchen.

Wer sie bei sich einpflanzen will, sucht ihr einen möglichst arktischen Platz, also etwas kühler, daher schattig bis halbschattig, und pflanzt sie in feuchten, sandig-steinigen Boden. Von März an kann man sie bei uns einsäen und die Blätter dieser Aussaat im Sommer ernten, während die Blätter der Spätsaat dann gerade richtig im Herbst und Winter zum Einsatz kommen.

Und wie schmeckt´s? Tatsächlich denke ich mir jetzt, ich sollte es mal probieren! Aber wir dürfen ja nichts abzupfen in Spitzbergen, also muss ich mir wohl tatsächlich ein paar Skorbutkrautsamen besorgen. Angeblich ist das Aroma: scharf, zugleich etwas bitter und salzig.

Gegessen wird es gerne als Würze zu Salaten, in Kartoffel-, Quark- und Eiergerichten und sogar als Abwechslung zu Schnittlauch und Kresse einfach auf dem Brot.

Und was kann´s? Heute leiden wir eher selten noch an dem Vitaminmangel, den die Walfänger von Smeerenburg so fürchteten. Das Kraut hat aber außer Vitamin C noch anderes in sich: Senfölglykoside, Mineralsalze, Gerbstoffe und Bitterstoffe – und das ergibt alles zusammen eine verdauungs- und stoffwechselanregende sowie blutreinigende Wirkung, Tees aus den getrockneten Blättern sollen außerdem gegen Rheuma und Gicht helfen. Was mich überzeugt hat, es mal mit dem Kraut zu probieren, ist aber sein Einsatz gegen: Frühjahrsmüdigkeit.

Ich werde also pflanzen und kommendes Frühjahr topfit berichten.
Ihr auch?

Bis in zwei Wochen!

Eure
Birgit Lutz