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King,Eider,(somateria,Spectabilis),,Norway
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Birgit Lutz

In ihrer Polarkolumne, die ab 2021 immer freitags auf unserer Homepage neu erscheint, schreibt die Expeditionsleiterin und Autorin Birgit Lutz über alle Themenfelder der Polarregionen - von großen Erlebnissen und kleinen Momenten auf eigenen Reisen über aktuelle Entwicklungen in Arktis und Antarktis bis hin zu praktischen Informationen für Ihre Reisevorbereitung oder Empfehlungen zur Polarliteratur.

Notizen aus dem Eis 89 – Ei, die Daune!

Die Eiderente ist auf Spitzbergen ein recht häufig gesehener Gast – und ab und an erspäht man sogar ein besonders farbenprächtiges Exemplar, das deswegen auch, Überraschung: Prachteiderente heißt.

Vor einigen Jahren habe ich zusammen mit meiner Polarfreundin Miriam im Mai einige Wochen in einer Trapperhütte in Spitzbergen verbracht. Zu unseren Aufgaben dort gehörte, neben Hunde versorgen, Schmelzwasserdrainagen um die Hütte graben und Stromversorgung aufrechterhalten auch: Entenhäuschen bauen. Das war eine Arbeit, die wir sehr gerne erledigten.

Dazu machten wir uns immer wieder auf zu einem breiten Strandabschnitt, den Eiderenten gerne nutzen, um dort ihre Eier abzulegen. Damit sie das auch weiterhin gerne tun, stellten wir ihnen die kleinen Häuschen auf, wobei Häuschen ein großes Wort ist. Die Besitzer der Trapperhütte hatten Treibholzlatten aufgestapelt, und wir sammelten noch einige dazu. Zwei Latten stellten wir dann in einen Winkel zueinander, eine legten wir schräg darauf und stützten das Ganze mit Steinen ab – fertig war der windschützende Entenstrandkorb. Mit Vorliebe bauten wir die kleinen Schutzhüttchen um die Vertiefungen, die uns anzeigten, wo in einem Vorjahr bereits ein Nest war. Denn bei den Eiderenten baut das tundrafarbene und damit sehr gut getarnte Weibchen eben dieses Nest –sie formt eine flache Mulde in der Tundra, die sie mit den herrlich wärmenden Daunen auskleidet und dann vier bis sechs Eier hineinlegt. Dann setzt sie sich auf die Eier und geht so lang nicht herunter, bis die Küken geschlüpft sind, damit die Eier nicht auskühlen. So erhalten die Eiderentendamen ihre Bikinifigur, denn so lange ernähren sie sich von ihren Fettreserven.

Genau diese Daunenauskleidung aber war auch einer der Gründe, warum wir uns so um die Entennester sorgten. Die Farmbesitzer durften nämlich einige Eier pro Jahr einsammeln. Das machten sie aber nur, wenn viele gelegt wurden. Vor allem aber durften sie, wenn die Eier nach drei bis vier Wochen ausgebrütet, die kleinen Entlein dann auch bald ausgeflogen waren und das Nest nicht mehr benötigt wurde, die Eiderentendaunen einsammeln. Das ist eine recht tierfreundliche Daunengewinnung, da man dabei den Enten nicht an die Flügel muss. Aber für ein auf diese Weise gesammeltes Eiderentendaunenbett, das kann man sich so sehr leicht ausmalen, braucht man dann schon so ein paar Entennester, und vielleicht auch ein paar mehr.

Die kleinen geschlüpften Entlein brauchen das Nest tatsächlich fast gar nicht, sehr schnell nach dem Schlüpfen folgen sie ihrer Mutter aufs Wasser. Das ist recht schlau als bodenbrütendes kleines Wesen, wenn man in einer Gegend brütet, in der es Füchse und Bären gibt, die ab und an eifrig Eier schlürfen und gerne knackige Küken futtern.

Und die Männchen? Die sehen ganz anders aus als die Weibchen; sie sind sehr auffällig schwarz-weiß gefiedert, eine große Rolle spielen sie aber, abgesehen von der Paarung, nicht. Sie bilden zwar manchmal jahrelang ein Paar mit einem Weibchen, aber sie beteiligen sich nicht am Brüten, bringen dem Weibchen kein Futter und um die Küken kümmern sie sich auch nicht. Einzig in der Nähe bleiben sie eine Weile, dann sammeln sie sich aber in Männchengruppen zum Mausern. Manchmal sieht man dadurch riesige Gruppen von Eiderentenmännchen, ein toller Anblick, die schwarz-weißen Tiere in großer Zahl und sehr schnell schwimmen zu sehen.

Die also alleinerziehenden Eiderentenweibchen haben sich recht gut an diesen Zustand angepasst und formen Kindergärten, was recht außergewöhnlich ist im Tierreich: Einige Weibchen beaufsichtigen ganze Horden von Jungtieren, während die anderen Weibchen nach der entbehrungsreichen Brutzeit ungestört auf Nahrungssuche gehen können. Und so sieht man manchmal riesige Kükengruppen, begleitet von einigen eifrigen Entenweibchen, rührend sieht das aus. Zwischen 14000 und 28000 Brutpaaren, schätzt man, gibt es heute auf Spitzbergen, im Winter ziehen sie nach Süden, nach Nordnorwegen oder Island.

Ein wunderbarer Anblick allerdings ist auch die viel seltenere Prachteiderente, die man manchmal zwischen den Eiderenten erspäht. Wieder ist es hier das Männchen, das sehr auffällig aussieht, das Weibchen ist der normalen Eiderente sehr ähnlich, nur ein bisschen kleiner ist sie. Das Männchen aber sticht aus einer Schar Eiderenten sofort heraus, und das vor allem wegen seiner auffällig gewölbten, sehr farbenprächtigen Stirn und seines roten Schnabels. Von den Prachteiderenten gibt es deutlich weniger Exemplare auf Spitzbergen als von den Eiderenten – bei den in einer früheren Folge beschriebenen birdern sind sie ein dementsprechend beliebtes Motiv, das es zu erjagen gilt.

Als ich mit Miriam die Entenhäuschen bei der Trapperhütte baute, mussten wir leider wieder abreisen, bevor die Nestlein bezogen wurden. Vielleicht hat sich auch dort eine Prachteiderente hin verirrt, wir wissen es nicht. Aber in den Häuslein hatten sie es hoffentlich schön warm, so dass aus allen Eiern kräftige Küken schlüpfen konnten.

Bis in zwei Wochen!

Eure
Birgit Lutz

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Vor einigen Jahren habe ich zusammen mit meiner Polarfreundin Miriam im Mai einige Wochen in einer Trapperhütte in Spitzbergen verbracht. Zu unseren Aufgaben dort gehörte, neben Hunde versorgen, Schmelzwasserdrainagen um die Hütte graben und Stromversorgung aufrechterhalten auch: Entenhäuschen bauen. Das war eine Arbeit, die wir sehr gerne erledigten.

Dazu machten wir uns immer wieder auf zu einem breiten Strandabschnitt, den Eiderenten gerne nutzen, um dort ihre Eier abzulegen. Damit sie das auch weiterhin gerne tun, stellten wir ihnen die kleinen Häuschen auf, wobei Häuschen ein großes Wort ist. Die Besitzer der Trapperhütte hatten Treibholzlatten aufgestapelt, und wir sammelten noch einige dazu. Zwei Latten stellten wir dann in einen Winkel zueinander, eine legten wir schräg darauf und stützten das Ganze mit Steinen ab – fertig war der windschützende Entenstrandkorb. Mit Vorliebe bauten wir die kleinen Schutzhüttchen um die Vertiefungen, die uns anzeigten, wo in einem Vorjahr bereits ein Nest war. Denn bei den Eiderenten baut das tundrafarbene und damit sehr gut getarnte Weibchen eben dieses Nest –sie formt eine flache Mulde in der Tundra, die sie mit den herrlich wärmenden Daunen auskleidet und dann vier bis sechs Eier hineinlegt. Dann setzt sie sich auf die Eier und geht so lang nicht herunter, bis die Küken geschlüpft sind, damit die Eier nicht auskühlen. So erhalten die Eiderentendamen ihre Bikinifigur, denn so lange ernähren sie sich von ihren Fettreserven.

Genau diese Daunenauskleidung aber war auch einer der Gründe, warum wir uns so um die Entennester sorgten. Die Farmbesitzer durften nämlich einige Eier pro Jahr einsammeln. Das machten sie aber nur, wenn viele gelegt wurden. Vor allem aber durften sie, wenn die Eier nach drei bis vier Wochen ausgebrütet, die kleinen Entlein dann auch bald ausgeflogen waren und das Nest nicht mehr benötigt wurde, die Eiderentendaunen einsammeln. Das ist eine recht tierfreundliche Daunengewinnung, da man dabei den Enten nicht an die Flügel muss. Aber für ein auf diese Weise gesammeltes Eiderentendaunenbett, das kann man sich so sehr leicht ausmalen, braucht man dann schon so ein paar Entennester, und vielleicht auch ein paar mehr.

Die kleinen geschlüpften Entlein brauchen das Nest tatsächlich fast gar nicht, sehr schnell nach dem Schlüpfen folgen sie ihrer Mutter aufs Wasser. Das ist recht schlau als bodenbrütendes kleines Wesen, wenn man in einer Gegend brütet, in der es Füchse und Bären gibt, die ab und an eifrig Eier schlürfen und gerne knackige Küken futtern.

Und die Männchen? Die sehen ganz anders aus als die Weibchen; sie sind sehr auffällig schwarz-weiß gefiedert, eine große Rolle spielen sie aber, abgesehen von der Paarung, nicht. Sie bilden zwar manchmal jahrelang ein Paar mit einem Weibchen, aber sie beteiligen sich nicht am Brüten, bringen dem Weibchen kein Futter und um die Küken kümmern sie sich auch nicht. Einzig in der Nähe bleiben sie eine Weile, dann sammeln sie sich aber in Männchengruppen zum Mausern. Manchmal sieht man dadurch riesige Gruppen von Eiderentenmännchen, ein toller Anblick, die schwarz-weißen Tiere in großer Zahl und sehr schnell schwimmen zu sehen.

Die also alleinerziehenden Eiderentenweibchen haben sich recht gut an diesen Zustand angepasst und formen Kindergärten, was recht außergewöhnlich ist im Tierreich: Einige Weibchen beaufsichtigen ganze Horden von Jungtieren, während die anderen Weibchen nach der entbehrungsreichen Brutzeit ungestört auf Nahrungssuche gehen können. Und so sieht man manchmal riesige Kükengruppen, begleitet von einigen eifrigen Entenweibchen, rührend sieht das aus. Zwischen 14000 und 28000 Brutpaaren, schätzt man, gibt es heute auf Spitzbergen, im Winter ziehen sie nach Süden, nach Nordnorwegen oder Island.

Ein wunderbarer Anblick allerdings ist auch die viel seltenere Prachteiderente, die man manchmal zwischen den Eiderenten erspäht. Wieder ist es hier das Männchen, das sehr auffällig aussieht, das Weibchen ist der normalen Eiderente sehr ähnlich, nur ein bisschen kleiner ist sie. Das Männchen aber sticht aus einer Schar Eiderenten sofort heraus, und das vor allem wegen seiner auffällig gewölbten, sehr farbenprächtigen Stirn und seines roten Schnabels. Von den Prachteiderenten gibt es deutlich weniger Exemplare auf Spitzbergen als von den Eiderenten – bei den in einer früheren Folge beschriebenen birdern sind sie ein dementsprechend beliebtes Motiv, das es zu erjagen gilt.

Als ich mit Miriam die Entenhäuschen bei der Trapperhütte baute, mussten wir leider wieder abreisen, bevor die Nestlein bezogen wurden. Vielleicht hat sich auch dort eine Prachteiderente hin verirrt, wir wissen es nicht. Aber in den Häuslein hatten sie es hoffentlich schön warm, so dass aus allen Eiern kräftige Küken schlüpfen konnten.

Bis in zwei Wochen!

Eure
Birgit Lutz