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Foto: Michelle van Dijk
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Birgit Lutz

In ihrer Polarkolumne, die ab 2021 immer freitags auf unserer Homepage neu erscheint, schreibt die Expeditionsleiterin und Autorin Birgit Lutz über alle Themenfelder der Polarregionen - von großen Erlebnissen und kleinen Momenten auf eigenen Reisen über aktuelle Entwicklungen in Arktis und Antarktis bis hin zu praktischen Informationen für Ihre Reisevorbereitung oder Empfehlungen zur Polarliteratur.

Notizen aus dem Eis 91 – Das tapfere Bäumelein – die Zwergbirke

Allen baumlosen Bildern zum Trotz, es gibt sie, die Bäume Spitzbergens. Es hat ja niemand gesagt, wie groß sie sein müssen.

Zu Bäumen in der Arktis gibt es einen schönen Witz: Was muss man tun, wenn man sich in Spitzbergen im Wald verlaufen hat? Antwort: Aufstehen.
Muhahaha.

Was aber so witzig daherkommt, trifft den spitzbergischen Baumwuchs eigentlich recht gut, wobei man sich ja im Liegen eigentlich nicht verlaufen kann, aber egal. Aber den Umstand, dass die Bäume in diesen Breitengraden nicht besonders groß werden, und Zwergbirken hier nochmal viel zwergiger sind als die in Nordnorwegen, illustriert dieser Witz recht schön.

Fünf Baumarten gibt es in Spitzbergen, die häufigste ist die Polarweide; sie haben wir unter Folge 68 dieser Reihe schon vorgestellt. Heute wenden wir uns deshalb vor allem der Zwergbirke zu, der Betula nana. Die Zwergbirke ist die nördlichste Birkenart überhaupt; sie gedeiht von Nordeuropa und Nordrussland bis zum Jenissei im Osten und bis nach Norden eben in Spitzbergen – wobei sie dort natürlich nochmal kleiner ist. In Finnland ist sie ebenso verbreitet, wo ihr Holz früher ein wichtiger Brennstoff war, weil ihr Holz sogar in grünem Zustand gut brennt.

Die Zwergbirke ist besonders deswegen wert, beschrieben zu werden, weil die wenigsten Besucher Spitzbergens sie zu sehen bekommen. Aber da ist sie trotzdem.

Man muss relativ weite Wege in Kauf nehmen, um sie beispielsweise tief im Advent- oder Colesdalen zu finden. Dort kann man die kleinen Gewächse erspähen, an eine Birke erinnert aber nur ihr gezacktes Blatt. Die Stämme der Zwergbirke werden gerade mal fingerdick, und sie wachsen nicht in die Höhe, sondern kriechen ganz nah über den Boden, um sich so gut wie möglich vor dem Wind weg zu ducken.

Neben Polarweide und Zwergbirke gibt es auf Spitzbergen dann noch die Kraut- und Netzweide und die Arktische Heide. Nur die Netzweide allerdings bekommt man im Westen ab und an zu sehen, die beiden anderen sind wie die Zwergbirke sehr selten und nur vereinzelt angesiedelt.

Wenn hier nun wieder Hobbygärtner landauf landab auf den üppigen Wuchs ihrer Pflanzen hoffen und wem bei Hecken zu neuen, unliebsamen Nachbarn selbst 30 bis 40 Zentimeter Wuchs pro Jahr zu wenig sind, dem sei die Geduld gezeigt, die man mit polaren Pflanzen haben muss: Wenige Millimeter im Jahr werden diese größer, kaum sichtbar ist also der Wuchs. Wer hier was gegen Nachbarn hat, dem helfen Hecken wenig.

Pflegen muss man sie aber auch kaum: Selbst die in gemäßigten Breiten wachsenden Zwergbirken, die buschartig immerhin bis zu einem Meter groß werden, haben im Gartenlexikon die Zusatzbemerkung: „Die Zwergbirke wächst so langsam, dass ein Schnitt nicht nötig ist“. Für manche schwarzen Daumen eignet sie sich also vielleicht recht prima.

Respekt verdienen die Pflanzen wegen dieser Langsamkeit im Norden besonders, denn nicht selten hat man Pflanzen vor sich, die mehrere Jahrzehnte alt sind. Vorher sieht man sie ja kaum. Die Betula nana kann bis zu 90 Jahre alt werden. Gar viele Stürme wehen in dieser Zeit über sie weg, was ihr auch im Gartenlexikon auch das Prädikat „extrem winterhart“ einbringt. Was wiederum recht logisch ist für Pflanzen, die so weit im Norden überhaupt einen Winter überleben.

Mal sehen, ob wir bei einer der nächsten Reisen eine Zwergbirke erspähen!

Bis in zwei Wochen!

Eure
Birgit Lutz

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Muhahaha.

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Fünf Baumarten gibt es in Spitzbergen, die häufigste ist die Polarweide; sie haben wir unter Folge 68 dieser Reihe schon vorgestellt. Heute wenden wir uns deshalb vor allem der Zwergbirke zu, der Betula nana. Die Zwergbirke ist die nördlichste Birkenart überhaupt; sie gedeiht von Nordeuropa und Nordrussland bis zum Jenissei im Osten und bis nach Norden eben in Spitzbergen – wobei sie dort natürlich nochmal kleiner ist. In Finnland ist sie ebenso verbreitet, wo ihr Holz früher ein wichtiger Brennstoff war, weil ihr Holz sogar in grünem Zustand gut brennt.

Die Zwergbirke ist besonders deswegen wert, beschrieben zu werden, weil die wenigsten Besucher Spitzbergens sie zu sehen bekommen. Aber da ist sie trotzdem.

Man muss relativ weite Wege in Kauf nehmen, um sie beispielsweise tief im Advent- oder Colesdalen zu finden. Dort kann man die kleinen Gewächse erspähen, an eine Birke erinnert aber nur ihr gezacktes Blatt. Die Stämme der Zwergbirke werden gerade mal fingerdick, und sie wachsen nicht in die Höhe, sondern kriechen ganz nah über den Boden, um sich so gut wie möglich vor dem Wind weg zu ducken.

Neben Polarweide und Zwergbirke gibt es auf Spitzbergen dann noch die Kraut- und Netzweide und die Arktische Heide. Nur die Netzweide allerdings bekommt man im Westen ab und an zu sehen, die beiden anderen sind wie die Zwergbirke sehr selten und nur vereinzelt angesiedelt.

Wenn hier nun wieder Hobbygärtner landauf landab auf den üppigen Wuchs ihrer Pflanzen hoffen und wem bei Hecken zu neuen, unliebsamen Nachbarn selbst 30 bis 40 Zentimeter Wuchs pro Jahr zu wenig sind, dem sei die Geduld gezeigt, die man mit polaren Pflanzen haben muss: Wenige Millimeter im Jahr werden diese größer, kaum sichtbar ist also der Wuchs. Wer hier was gegen Nachbarn hat, dem helfen Hecken wenig.

Pflegen muss man sie aber auch kaum: Selbst die in gemäßigten Breiten wachsenden Zwergbirken, die buschartig immerhin bis zu einem Meter groß werden, haben im Gartenlexikon die Zusatzbemerkung: „Die Zwergbirke wächst so langsam, dass ein Schnitt nicht nötig ist“. Für manche schwarzen Daumen eignet sie sich also vielleicht recht prima.

Respekt verdienen die Pflanzen wegen dieser Langsamkeit im Norden besonders, denn nicht selten hat man Pflanzen vor sich, die mehrere Jahrzehnte alt sind. Vorher sieht man sie ja kaum. Die Betula nana kann bis zu 90 Jahre alt werden. Gar viele Stürme wehen in dieser Zeit über sie weg, was ihr auch im Gartenlexikon auch das Prädikat „extrem winterhart“ einbringt. Was wiederum recht logisch ist für Pflanzen, die so weit im Norden überhaupt einen Winter überleben.

Mal sehen, ob wir bei einer der nächsten Reisen eine Zwergbirke erspähen!

Bis in zwei Wochen!

Eure
Birgit Lutz