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Birgit Lutz

In ihrer Polarkolumne, die ab 2021 immer freitags auf unserer Homepage neu erscheint, schreibt die Expeditionsleiterin und Autorin Birgit Lutz über alle Themenfelder der Polarregionen - von großen Erlebnissen und kleinen Momenten auf eigenen Reisen über aktuelle Entwicklungen in Arktis und Antarktis bis hin zu praktischen Informationen für Ihre Reisevorbereitung oder Empfehlungen zur Polarliteratur.

Notizen aus dem Eis 92- Besuch auf der Teufelsinsel im Eismeer

Aus den Meeren unserer Welt spitzen ab und an kleine Inselchen hervor, mitten in den großen Ozeanen. Eine davon ist Jan Mayen, ein Eiland zwischen Island und Spitzbergen.

Es ist gelungen! Zweimal durfte ich bisher auf dieser Insel anlanden, was ganz und gar nicht selbstverständlich ist. Und dieses Mal sahen wir sogar den mehr als 2200 Meter hohen Beerenberg, gletscherbedeckt, über der schwarzgelbrotbunten Vulkaninsel aufragen. Dort mal hinaufgehen? Das muss warten.

Für dieses Mal sind wir hoch zufrieden, als aus dichtester Nebelsuppe plötzlich die Insel auftauchte, die da auf der Karte recht gut, in echt aber bisher überhaupt nicht zu sehen war. Schwarze Klippen, schroff abfallend, eine Bucht aus dunklem Sand. Die Kvalrossbukta.
Dort sollten wir anlanden. Das ist eine ganz und gar nicht einfache Angelegenheit, man stelle sich vor, dieses Eiland ragt mitten aus dem Nordatlantik, ein stiller Ozean ist das ja nun nicht.

Mit den Ferngläsern aber sehen wir, die Spritzer am Strand sind okay, man wird es schon schaffen, hier aus den Booten zu steigen. Das ist dann zwar in echt auch so, aber schon beim ersten Boot wird deutlich: Upsala, besser eine stern landing hier, also mit dem Motor voran an Land. Wie in bester Antarktis-Manier also.

Auf der Insel warten jede Menge Walknochen auf uns, ein Denkmal für dort an Skorbut verstorbene niederländische Walfänger, und eine kleine Wanderung die Anhöhe hinauf, die uns einen Blick ins Nichts eröffnet, nichts als Nebel, zu Anfang. Deswegen geht es hier auch nicht weiter.

Vor 15 Jahren war ich schon einmal hier, damals hatten wir besseres Wetter, glücklicherweise, wir suchten nach der Österreicherstation von 1882/83 und fanden sie auch, nach Stunden des Wanderns durch feinen Sand. Eine wunderbare Geschichte war das damals, gemeinsam mit der Urgroßnichte Carl Weyprechts, der diese Station ja erdacht hatte, als eine der weltumspannenden Stationen des Ersten Internationalen Polarjahrs. Er selbst aber konnte nicht mehr zu der Station reisen, weil er zuvor an der Tuberkulose starb. Entsprechend feierlich fühlten wir uns, als wir nun die Ehre hatten, mit seiner Nachfahrin diesen Kreis zu schließen.

Diesmal geht es weniger feierlich zu, der Wind nimmt zu und der Nebel ab, der Blick wird besser und mit jeder Rückfahrt die Gäste nasser. Das ist hier aber einem jeden egal, zu schön ist es doch, haben wir diesen Meilenstein geschafft!

Das letzte Boot schließlich muss mit Seilen weg gezogen werden vom Strand, weil es ansonsten nicht mehr los kommt, zu kurz branden die Wellen, zu schnell läuft das Boot voll, wenn niemand mehr draußen stehen kann, es festzuhalten.

Aber auch das schaffen wir, und dann stehen wir an Bord und ein Vorhang geht auf, die Wolken und der Nebel verziehen sich, und wir sehen den Beerenberg, den weißen Berg über schwarzen Klippen, in seiner vollen Pracht und strahlenden Größe. 2200 Meter, einfach so hier aus dem Meer. Drei Tage im Jahr gibt es angeblich diesen Blick, ansonsten verbirgt er sich in der Wetterküche des Nordatlantik.

Wir heben den Anker und fahren die Insel entlang, immer mit wunderbarem Blick auf den Beerenberg und den Weyprecht-Gletscher, der sich von ihm herab ins Meer wälzt, aus der großen ruhenden Caldera heraus bis hinunter an die schäumende See.

Der Himmel blau, die Gletscher weiß, der Vulkansand schwarz, ein Bild, es nie mehr zu vergessen!

Bis in zwei Wochen!

Eure
Birgit Lutz

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Für dieses Mal sind wir hoch zufrieden, als aus dichtester Nebelsuppe plötzlich die Insel auftauchte, die da auf der Karte recht gut, in echt aber bisher überhaupt nicht zu sehen war. Schwarze Klippen, schroff abfallend, eine Bucht aus dunklem Sand. Die Kvalrossbukta.
Dort sollten wir anlanden. Das ist eine ganz und gar nicht einfache Angelegenheit, man stelle sich vor, dieses Eiland ragt mitten aus dem Nordatlantik, ein stiller Ozean ist das ja nun nicht.

Mit den Ferngläsern aber sehen wir, die Spritzer am Strand sind okay, man wird es schon schaffen, hier aus den Booten zu steigen. Das ist dann zwar in echt auch so, aber schon beim ersten Boot wird deutlich: Upsala, besser eine stern landing hier, also mit dem Motor voran an Land. Wie in bester Antarktis-Manier also.

Auf der Insel warten jede Menge Walknochen auf uns, ein Denkmal für dort an Skorbut verstorbene niederländische Walfänger, und eine kleine Wanderung die Anhöhe hinauf, die uns einen Blick ins Nichts eröffnet, nichts als Nebel, zu Anfang. Deswegen geht es hier auch nicht weiter.

Vor 15 Jahren war ich schon einmal hier, damals hatten wir besseres Wetter, glücklicherweise, wir suchten nach der Österreicherstation von 1882/83 und fanden sie auch, nach Stunden des Wanderns durch feinen Sand. Eine wunderbare Geschichte war das damals, gemeinsam mit der Urgroßnichte Carl Weyprechts, der diese Station ja erdacht hatte, als eine der weltumspannenden Stationen des Ersten Internationalen Polarjahrs. Er selbst aber konnte nicht mehr zu der Station reisen, weil er zuvor an der Tuberkulose starb. Entsprechend feierlich fühlten wir uns, als wir nun die Ehre hatten, mit seiner Nachfahrin diesen Kreis zu schließen.

Diesmal geht es weniger feierlich zu, der Wind nimmt zu und der Nebel ab, der Blick wird besser und mit jeder Rückfahrt die Gäste nasser. Das ist hier aber einem jeden egal, zu schön ist es doch, haben wir diesen Meilenstein geschafft!

Das letzte Boot schließlich muss mit Seilen weg gezogen werden vom Strand, weil es ansonsten nicht mehr los kommt, zu kurz branden die Wellen, zu schnell läuft das Boot voll, wenn niemand mehr draußen stehen kann, es festzuhalten.

Aber auch das schaffen wir, und dann stehen wir an Bord und ein Vorhang geht auf, die Wolken und der Nebel verziehen sich, und wir sehen den Beerenberg, den weißen Berg über schwarzen Klippen, in seiner vollen Pracht und strahlenden Größe. 2200 Meter, einfach so hier aus dem Meer. Drei Tage im Jahr gibt es angeblich diesen Blick, ansonsten verbirgt er sich in der Wetterküche des Nordatlantik.

Wir heben den Anker und fahren die Insel entlang, immer mit wunderbarem Blick auf den Beerenberg und den Weyprecht-Gletscher, der sich von ihm herab ins Meer wälzt, aus der großen ruhenden Caldera heraus bis hinunter an die schäumende See.

Der Himmel blau, die Gletscher weiß, der Vulkansand schwarz, ein Bild, es nie mehr zu vergessen!

Bis in zwei Wochen!

Eure
Birgit Lutz